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Licht und Schatten

Autor: Jan | Datum: 07 Oktober 2011, 07:56 | 45 Kommentare

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Keine Frage, West-Papua ist einfach nur traumhaft schön – dichter und unberührter Regenwald mit einer ungeahnten, betörenden Geräuschkulisse, feine Sandstrände unter Palmen, kristallklares Badewasser im Meer, in dem sich eine gigantische Artenvielfalt tummelt, 365 Tage Sommerwetter, überall prächtige Farben (warum sind wir Deutschen nur so zurückhaltend mit grellbunten Häuserfassaden?), faustgroße Schmetterlinge, die mich als Betrachter immer wieder erstaunen, wenn sie eine der zahlreichen, ebenso prächtigen, Blüten ansteuern, köstliches Essen (für Früchteliebhaber ist Indonesien wohl mit dem Paradies gleichzusetzen :) )….

Aber neben diesen tollen Seiten Papuas habe ich in den letzten 4 Wochen auch andere, düstere Seiten Papuas kennengelernt – HIV/AIDS und Plastik.

Ja genau Plastik! Egal wo ich hinschaue, überall wird Plastik mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit völlig rücksichtslos weggeworfen. Taxifenster werden während der Fahrt heruntergekurbelt und ein Schwall an Plastikflaschen fliegt nach draußen…

Am Sentani-See macht es den Menschen anscheinend einen Heidenspaß am Ufer liegenden Müll in den See zu kicken (Für mich unverständlich, diese Menschen leben doch von diesem See – sie ernähren sich von ihm, waschen ihre Sachen mit seinem Wasser, baden darin…. warum gehen sie so mit IHRER Heimat um????!)

Das gleiche Bild an den zahlreichen Stränden, überall wo ich hinschaue, Plastik in allen möglichen Formen und Farben.

Aber selbst denen, die in dieser Hinsicht weiterdenken und ihren Müll vernünftig entsorgen wollen, wird es alles andere als leicht gemacht. Die Anzahl der Mülleimer ist hier verschwindend gering! Wenn ich eine leergetrunkene Plastikflasche in der Hand halte (was bei den Temperaturen des öfteren mal vorkommt :) ) muss ich regelrecht nach Mülleimern suchen. Und die Suche kann bei der Anzahl an vorhandenen Mülleimern schon mal einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Allzu verständlich, dass der galante Wurf der Plastikflasche in das nächste Gebüsch vielen eine angenehme Alternative ist…

Neben dieser Plastikflut ist HIV/AIDS ein ganz großes Thema hier. Ich konnte und wollte meinen Ohren nicht trauen, als ich von den Mitarbeitern der Kirche hörte: ,, Unsere neusten Nachforschungen in Gebieten im Hochland Papuas haben ergeben, dass über 60% der Einheimischen HIV-Positiv sind….“ 

West-Papua ist Indonesiens trauriger Spitzenreiter in Sachen HIV/AIDS –  die HIV/AIDS-Rate in West-Papua ist 15x (!!!) so hoch, wie der nationale Durchschnitt! Das lässt sich unter anderem folgendermaßen erklären: Infolge des von der indonesischen Regierung koordinierten Transmigrationsprogrammes strömen zahlreiche Menschen aus den anderen Teilen Indonesiens nach West-Papua. Papua besitzt riesige, kaum bewohnte Flächen und eine Vielzahl an noch nicht ,,ausgebeuteten“  Rohstoffen- ideale Bedingungen für die Menschen, die z.B. auf Java unter den Problemen der Überbevölkerung leiden….Das hat zur Folge, dass die Papuas (,,Ureinwohner“ in West-Papua) mittlerweile zur Minderheit im eigenen Land geworden sind.

Und mit diesen Menschenströmen kommen zahlreiche Sexarbeiterinnen ins Land. Kontrollen im Jahre 2001 haben ergeben, dass ¼ der Prostituierten in West-Papua HIV-Positiv sind……

Das Ausmaß dieser beiden großen Probleme in West-Papua hat mich sehr schockiert.

Wenn ich in Sorong angekomme, möchte ich diese beiden Themenfelder mit den Schülern behandeln. Seit einigen Tagen sitze ich daran daran, Konzepte für meinen Englischunterricht zu entwickeln.Im Moment schwebt mir vor, verschiedene Projekte mit den Schülern ins Leben zu rufen: Errichten von selbstgestalteten Mülleimern in Sorong, Entwerfen von ,,Aufklärungsplakaten-und handzetteln", Inzenierung eines Theaterstückes über HIV-/AIDS usw….

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